"Mein Leben nach zwei Fehlgeburten"
Kira (34) hat nach zwei Fehlgeburten erst einmal den Boden unter den Füßen verloren. Ihr Mann Toni (34) konnte ihr nicht wirklich helfen. Trotzdem fand sie irgendwann die Kraft, über ihr Schicksal zu sprechen.
“Zum ersten Mal schwanger wurde ich mit Ende zwanzig. Ich war frisch verheiratet und alles passte. Aber das Baby blieb nicht bei mir. In der elften Woche bekam ich Blutungen und verlor es. Meine Ärztin machte mir aber Hoffnungen, eine Fehlgeburt in den ersten drei Monaten käme häufig vor, beim nächsten Mal klappe es bestimmt. Ich weinte um mein Baby, ich hatte mich sehr auf die kommenden neun Monate und auf alles danach gefreut. Ich spürte eine körperliche und psychische Leere, die sehr unangenehm war. Ein Leben ohne Kinder war für mich unvorstellbar. Ich brauchte aber einige Zeit, um mich auf eine neue Schwangerschaft einstellen zu können. Zwei Jahre später fühlte ich mich so weit und schon bald blieb meine Regel aus. Ich bangte in der ersten Zeit, aber als die ersten zwölf Wochen um waren, wuchs in mir wieder diese Vorfreude. Doch kurze Zeit später spürte ich ein Ziehen im Bauch. Die Ärztin konnte im Ultraschall keinen Herzton mehr sehen. Ich sackte in mir zusammen, alles fühlte sich wie taub an und ich wollte nur noch weg. Allein sein und um meine Babys weinen. Warum ich?, fragte ich mich zu Hause immer wieder, während ich weinend vor dem Spiegel stand und mich bemitleidete. Das darf doch alles nicht wahr sein! Ich glaube, ein Mann kann diesen Schmerz gar nicht wirklich nachempfinden. Er ist ja nicht so beteiligt wie eine Mutter. Er hat nicht gemerkt, wie sich der Geruchssinn plötzlich veränderte, wie der Kreislauf verrückt spielte, weil unbekannte Hormone durch den Körper schossen und alle Funktionen auf ´schwanger` stellten.Mein Mann versuchte, mich zu trösten und trotzdem fühlte ich mich allein auf dieser Welt. Ich brauchte irgend jemanden, mit dem ich darüber sprechen könnte. Jemanden, der ähnliches erlebt hatte. Ich war seit einiger Zeit krank geschrieben, weil ich mich nur noch in Trauer befand. Dann stieß ich durch Zufall auf den `Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland`, der mir in dieser schweren Zeit sehr geholfen hat. Bis heute konnten die Ärzte keinen medizinischen Grund für die Fehlgeburten feststellen, ich lernte eine andere Frau kennen, die eine ähnliche Geschichte hinter sich hat. Das half! Die Einsamkeit wurde erträglicher und ich wurde wieder ich selbst. Gesundheitlich geht es mir mittlerweile besser, ich gehe wieder arbeiten und kann auch ganz offen über das Thema reden. Meine Freunde mussten sich daran erst gewöhnen. Viele, die Kinder haben, mieden mich nach meinen Erzählungen. Dabei liebe ich doch Kinder und ich gönne jedem meiner Freunde dieses Glück. Trotzdem hoffe auch ich selbst weiter, irgendwann einmal dieses Glück zu erleben.”
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