Werdende Väter vor der Geburt
Vielleicht geht es Ihnen wie vielen anderen Vätern: Sie können es kaum erwarten, Ihr Kind endlich in den Armen zu halten, es zu sehen, zu hören, zu berühren und zu riechen. Sie denken aufgeregt und ungeduldig an das bevorstehende Ereignis.
Gleichzeitig wäre es Ihnen auch recht, wenn nicht so vieles ungewiss und unvorhersehbar wäre. Die bevorstehende Entbindung wird nicht nur bei Ihrer Frau sehr unterschiedliche Gefühle auslösen. Auch Sie als Partner und werdender Vater haben sicherlich einige Fragen und Vorstellungen, sind erfüllt von freudiger Erwartung, vielleicht aber auch verunsichert durch Zweifel oder offene Fragen.Dabei sein
War noch vor wenigen Jahrzehnten der Vater in der Regel bei der Geburt nicht anwesend, so begleiten und unterstützen heute viele Männer ihre Partnerinnen bei dieser herausfordernden Aufgabe. Ob Sie bei der Geburt Ihres Kindes dabei sein möchten oder nicht, sollte jedoch nicht von den Ratschlägen anderer oder den Erwartungen Ihres Umfeldes abhängen. Hören Sie auf Ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen und reden Sie offen und ausführlich mit Ihrer Partnerin darüber. Vielleicht versteht es sich für Sie von selbst, dass Sie auch diesen Weg gemeinsam gehen und durchstehen wollen. Vielleicht ist Ihnen aber auch gar nicht wohl bei dem Gedanken, diese aufwühlenden Momente so hautnah zu erleben und zu sehen, wie sich Ihre Partnerin in Schmerzen windet, die Sie ihr nicht abnehmen können.
Sollten Sie sich entscheiden, bei der Geburt Ihres Kindes nicht dabei zu sein oder das Gebärzimmer vor der Entbindung zu verlassen, so ist auch diese Entscheidung legitim und muss respektiert werden. Denken Sie jedoch daran, dass Unsicherheiten und kleinere Ängste beim Gedanken an dieses Ereignis ganz normal sind – sie allein müssen Sie nicht davon abhalten, bei der Geburt dabei zu sein, möglicherweise aus Angst, mit Ihren Sorgen eine Last statt eine Unterstützung zu sein. Sich einzugestehen, dass sich in die Vorfreude auch Ängste und Sorgen mischen, ist ein wichtiger Schritt, den Sie, wenn möglich, auch mit Ihrer Partnerin gemeinsam gehen sollten. Er wird es Ihnen leichter machen, Ihre Partnerin aktiv zu unterstützen und ihr Kraft und Antrieb zu geben – während der Schwangerschaft und sicher wenn das Kind da ist, wenn Sie mögen, auch während der Geburt.
Eine Geburt ist ein so aufwühlendes Ereignis wie wenige andere. Für viele Männer gehört die Erinnerung an die Geburt ihres Kindes zu den wichtigsten in ihrem Leben.
Geburtserlebnis für Männer
Manch werdender Vater verlässt spontan das Geburtszimmer, das er voller Enthusiasmus betreten hat, weil er es nicht erträgt, seine Partnerin leiden zu sehen. Andere genießen den Gedanken an so viel intensive Körperlichkeit … – Hören Sie in sich hinein, sprechen Sie mit Ihrer Partnerin, wenn möglich auch mit befreundeten Vätern oder anderen Freunden, und finden Sie den Weg, der für Sie stimmig ist – vielleicht ja auch ganz spontan! Lesen Sie auch den Erfahrungsbericht eines Vaters über seine Erfahrungen während der Geburt seiner Tochter.
Geburtsvorbereitung
Abgesehen davon, dass angesichts des intensiven und von starken Gefühlen geprägten Ereignisses viele Ängste und Zweifel von selbst verschwinden können, gibt es für Sie eine Reihe von Möglichkeiten, sich gut auf die Geburt vorzubereiten, um das große Ereignis lockerer anzugehen. Der erste Schritt dazu sind ehrliche und aufmerksame Gespräche. Wie stellen Sie und Ihre Partnerin sich die Geburt vor? Wie und wo soll sie stattfinden? Sprechen Sie auch mit Freunden, der Familie, der Hebamme oder dem Arzt darüber. Scheuen Sie sich nicht, alle Ihre Fragen und Zweifel vorzubringen. Manchen werdenden Vätern hilft es auch, sich durch Bücher zu informieren, was bei der Geburt mit ihrer Partnerin geschieht, was ihr die Geburt erleichtern und welches ihre Rolle dabei sein könnte. Diese Informationen erhalten Sie auch bei einem Geburtsvorbereitungskurs, den Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin oder auch alleine besuchen können. Hier wird Ihnen unter anderem gezeigt, wie Sie die Gebärende aktiv unterstützen dürfen. Und zu guter Letzt: Bereiten Sie sich vorsichtshalber auf eine längere Geburt vor und packen Sie Ihre persönlichen Utensilien früh genug ein, damit sie zu gegebener Stunde bereitstehen.
Aktiv helfen
Sie können Ihre Partnerin bei der Geburt auf viele Arten unterstützen und dabei eine wichtige Hilfe sein. Sie beide haben im Vorfeld bestimmt viel miteinander über die Geburt Ihres Kindes gesprochen und sich gegenseitig Ihre Wünsche und Vorstellungen mitgeteilt. Diese Gespräche und die damit entstehende Verbundenheit sind sehr wichtig, denn wie die Geburt dann tatsächlich ablaufen, welche Bedürfnisse Ihre Partnerin in der Situation haben wird, kann niemand vorhersehen. Hier kommt es darauf an, dass Sie aufmerksam gegenüber Ihrer Partnerin sind und ganz auf ihre Signale eingehen. Sie geben ihr somit Halt, Kraft und Motivation. Gemeinsames Atmen, körperliche Unterstützung und Massagen können die Geburt für Ihre Partnerin zusätzlich erleichtern. Achten Sie aber darauf, ob sie dies auch wirklich braucht und möchte. Akzeptieren Sie es, falls sie spontan einen anderen Weg wählt oder lieber von der Hebamme oder einer anderen Person berührt werden will.
Ihre Partnerin wird immer wieder aus ihrer tiefen Arbeit auftauchen und mit Ihnen sprechen wollen, Ihnen ihre Gedanken und Gefühle mitteilen. Sie werden sich in diesen Stunden ganz besonders nahe sein; und als krönenden Abschluss unglaubliches Glück und Erleichterung verspüren, wenn Sie Ihr Kind zum ersten Mal in den Armen halten dürfen!
“Sie brauchen nichts zu tun, was Sie nicht wollen, suchen Sie sich während der Geburt einen Platz, der Ihnen behagt. Die meisten Männer haben Angst, ihre Frau nach dem einschneidenden Erlebnis der Geburt nicht mehr erotisch finden zu können. Das ist Quatsch. Als Mann brauchen Sie nicht den Geburtshelfer zu spielen – Sie werden sich vielmehr an das Kopfende Ihrer Frau stellen, so brauchen Sie nichts zu sehen, was Sie nicht sehen möchten.”
Heike Schürmann, Hebamme
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