Eine Oma über ihr Enkelglück
Mechtild (60) und Hubert (65) haben drei Kinder und ein Enkelkind. Wie es sich anfühlt, Großmutter zu werden, erzählt Mechtild hier.
“Das Baby ist gesund. Das war das Wichtigste für mich, nachdem ich erfahren hatte, dass mein erstes Enkelkind zur Welt gekommen war. Aus eigener Erfahrung war es mir durchaus bewusst, dass das nicht selbstverständlich ist. Mein drittes Kind war mit dem Downsyndrom zur Welt gekommen. Für mich war es also die schönste Nachricht, zu hören, dass meine kleine Enkeltochter gesund ist.Als ich von der Schwangerschaft erfuhr, habe ich mich natürlich am Anfang gefragt, ob mein Sohn und seine Frau das wohl schaffen würden, sie waren doch noch relativ jung. Aber die sorgenvollen Gedanken wurden schnell abgelöst von dem Gefühl: “Ich werde Oma! Dann beginnt ja eine neue Generation. Dann bin ich jetzt wohl alt.”
Nachdem ich mich aber mit diesen Gedanken angefreundet hatte, überwog die Neugier: Wird es ein Mädchen oder ein Junge? Wie wird es wohl aussehen?
Der errechnete Geburtstermin war schon verstrichen, als wir dann eines Nachts vom Telefon geweckt wurden. Ich hatte Herzklopfen und mir lief eine Freudenträne über die Wange: Es war ein Mädchen. Eine kleine Marlene.
Ich spürte eine riesige Unruhe, ich wollte sie so schnell wie möglich sehen. Leider liegen 600 Kilometer zwischen unseren Wohnorten und so musste ich mich in Geduld üben. Schwangerschaft und Geburt sind für mich emotional die größten Ereignisse im Leben. Da spielt natürlich auch Stolz eine große Rolle. Ich hatte das Bedürfnis, es jedem zu erzählen, der Familie, den Freunden und den Nachbarn.
Meine Enkeltochter schließlich das erste Mal zu sehen, war ein unbeschreibliches Erlebnis. Staunend stand ich vor dem kleinen Wunder. Ich versuchte Ähnlichkeiten zur Mutter oder zum Vater zu erkennen. Ich wollte die Kleine auf den Arm nehmen. Einfach nur dieses kleine, schwache, hilflose Wesen spüren.
Seit ich nun Oma bin, habe ich einen neuen Blick auf kleine Kinder bekommen. Ich habe nicht nur mehr Interesse an fremden Babys, sondern ich bin auch geduldiger mit ihnen geworden. Wenn ein Kind durch den Supermarkt schreit, denke ich immer: Zeig Verständnis. Es könnte auch dein Enkelkind sein.
Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass Enkelkinder das Leben erheblich bereichern. Wenn mich mein Enkelchen besuchen kommt, dann lasse ich alles stehen und liegen. Als Mutter ist man ja immer sehr mit der Sorge um die Kinder beschäftigt. Als Oma habe ich nicht die Verantwortung und ich kann vieles gelassener sehen. Das ist einfach wunderbar.”
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